Partnerschaft mit der Presbyterianischen Kirche in Korea

Was verbinden Sie mit dem Stichwort „Korea“? Einen pausbäckigen Jung-Diktator, der mit Atomkrieg droht? Autos von Hyundai? PCs oder Handys von Samsung? Ein geteiltes Land? Hunger in Nordkorea? Das Video zu Gangnam-Style? Oder wissen Sie (noch) gar nichts über das „Land der Morgenstille“? Das könnte sich in Zukunft ändern.

Seit 25.04.2013 sind nämlich der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg und der Kirchenbezirk  Pjöngjang der Presbyterianischen Kirche in Korea (PCK) durch eine Partnerschaft verbunden. Der Kirchenbezirk Pjöngjang ist ein personaler Kirchenbezirk, d.h. seine Mitglieder sind Menschen, die ihre Wurzeln in Nordkorea haben, die aber in Südkorea wohnen. Die meisten dieser etwa 100 000 Christen leben in oder um Seoul.  

Wie kam es zu dieser Partnerschaft?
Seit gut einem Jahr lebt in Ludwigsburg der koreanische Pfarrer Kwon Ho Rhee mit seiner Familie. Er gehört selbst zur PCK und war zuvor schon 10 Jahre lang für die koreanische Gemeinde in Münster, Westfalen, zuständig. Bald begann er davon zu träumen, seine beiden Heimatländer einander näher zu bringen. Im vergangenen November kam der Moderator (Bischof) der PCK nach Ludwigsburg und fragte an, ob Interesse an einer Partnerschaft bestehe. Als Dekan Winfried Speck dies bejahte, lud er ihn zu einem Besuch nach  Korea ein.

Mitte Februar flog eine kleine Delegation des Kirchenbezirks Ludwigsburg nach Seoul und wurde dort sehr herzlich empfangen. Schnell stellte sich heraus, dass Korea und Deutschland mehr verbindet, als zunächst vermutet. Beide Länder sind hochentwickelte Industrienationen. Allerdings hat Korea die Entwicklung vom eher bäuerlich geprägten Land zur Industrienation in etwa 50 Jahren durchlaufen, während es in Deutschland etwa 150 Jahre dauerte. Beide Länder sind oder waren durch eine (fast) unüberwindliche Grenze geteilt. In Deutschland ist die Wiedervereinigung schon längst ganz normal. Für die Koreaner ist ungewiss, wie lange die Teilung der koreanischen Halbinsel noch andauern wird.

Südkorea boomt, aber in Nordkorea hungern Menschen, während die Machthaber ihren Wahn, Atommacht zu sein, ausleben. Kontakte sind – wenn überhaupt - nur möglich, wenn man den Weg über China wählt. Grenzübergänge wie an der deutsch-deutschen Grenze gibt es nicht. Dass in Deutschland die Teilung überwunden werden konnte, ist für die Koreaner ein wichtiger Grund zur Hoffnung, und an vielen Stellen wird daran erinnert.
Ein weiteres Thema ist die Versöhnung mit früheren Kriegsgegnern. Deutschland verschweigt die Schuld nicht, die es in der Nazizeit und im 2. Weltkrieg auf sich geladen hat, und arbeitet an Versöhnung und Wiedergutmachung, soweit dies möglich ist. Korea hatte im 2. Weltkrieg unter japanischer Unterdrückung zu leiden. Etwa 200 000 junge Koreanerinnen wurden verschleppt und als sogenannte „Trostfrauen“ in japanische Kriegsbordelle gesperrt. Viele überlebten nicht, die anderen waren schwer traumatisiert. Doch bis heute bestreitet Japan die Zahl der Opfer und hat sich weder entschuldigt noch Entschädigungen für die Überlebenden geleistet. Ludwigsburg, in dem ein wichtiger Meilenstein der deutsch-französischen Aussöhnung gesetzt wurde, ist deshalb für Koreaner hochinteressant.

Im Gespräch entdeckten beide Seiten weitere Fragestellungen, die beiden Ländern gemeinsam sind: So ist die Geburtenrate hier wie dort so niedrig, dass die Gesellschaft rasch altert – mit allen dazugehörenden Problemen. Umweltprobleme und der Umgang mit der Natur sind hüben wie drüben ein Thema. So hat Seoul seit einiger Zeit einen „grünen“ Bürgermeister, der sichtbar Akzente setzt. Die Integration von Zuwanderern wird in Deutschland seit längerem heiß diskutiert. Sie wird zunehmend auch in Korea zum Thema, da verstärkt Menschen aus Bangladesh, den Philippinen und anderen armen Ländern einwandern, und das in ein Land, das lange Zeit sehr homogen war.
Andererseits haben die koreanischen Christen ihren deutschen Geschwistern die Erfahrung voraus, wie es sich als Minderheit in einer nicht-christlichen Gesellschaft lebt. Bedrückend ist, dass Christen in Nordkorea riskieren, in Konzentrationslager verschleppt zu werden. Dennoch versuchen gerade die Mitglieder des Pjöngjang-Kirchenbezirks, die Bande nach Norden nicht abreißen zu lassen.

Während des Besuchs wurde die Partnerschaftserklärung vorbereitet und hin und her übersetzt. Etliche Pfarrer der PCK haben in Deutschland studiert und zum Teil auch promoviert, so dass die Verständigung gut klappte. Für jüngere Koreaner ist es zudem unabdingbar, Englisch zu lernen. Dafür nehmen sie sogar zusätzliche Privatstunden. Die Bezirkssynoden in Korea und Deutschland stimmten zeitgleich der Erklärung zu und setzten sie damit in Kraft. Darin wird auch vereinbart, einmal im Jahr in beiden Kirchenbezirken einen „Partnerschaftssonntag“  zu feiern. Abwechselnd soll dafür ein Gottesdienstentwurf ausgearbeitet werden, der dann am selben Sonntag im Kirchenbezirk Pjöngjang und im Kirchenbezirk Ludwigsburg in möglichst allen Gemeinden gefeiert wird.

Im Anschluss an den Kirchentag besuchte eine hochrangige Mitarbeiterin der diakonischen Abteilung der PCK  Ludwigsburg und informierte sich über die Karlshöhe. Voraussichtlich im Herbst wird der erste Partnerschaftsbesuch einer koreanischen Delegation im Kirchenbezirk Ludwigsburg stattfinden. Beide Kirchen sind wohlhabend, so dass es eine Partnerschaft auf Augenhöhe werden wird. Es geht nicht darum, Spenden für Korea zu sammeln. Es geht darum, miteinander als Christen in der Einen Welt zu leben.

2015 wird der nächste Kirchentag in Stuttgart und der Region stattfinden. Vielleicht gelingt es, sich daran mit einem eigenen deutsch-koreanischen Projekt zu beteiligen. Eine größere koreanische Delegation hat schon jetzt ihre Teilnahme angemeldet.

Nun sind Sie gefragt! Damit die Partnerschaft der Kirchenbezirke Pjöngjang und Ludwigsburg mit Leben erfüllt wird, braucht es Menschen, die sich dafür begeistern lassen. Ganz gleich, ob Sie schon Kontakte nach Korea haben oder nicht, wir brauchen Sie! Gestalten Sie die Partnerschaft mit, bringen Sie sich ein: als Interessierte, als Gastgebende, als Mitglieder im Arbeitskreis Korea, in der Vorbereitung des Kirchentages, als Austauschpartner.

Was haben Sie davon? Intensive Einblicke in ein wenig bekanntes Land, interessante Begegnungen, einen weiten Horizont und einen neuen Blick auf das Eigene.
für weitere Informationen steht Ihnen Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vinçon (elke.dangelmaier-vincon@elkw.de) gerne zur Verfügung