Glockenjubiläum 2020

70 Jahre Glocken in der Bartholomäuskirche


Glockenjubiläum

"so klingen die Glocken"

Was, erst 70 Jahre werden manche fragen, unsere Kirche ist doch viel älter, da müssen auch die Glocken älter sein. Richtig, die Kirche wurde das erste Mal 1331 erwähnt, aber schon viele Glocken haben vom Turm die Tammer Bürger zum Gottesdienst eingeladen und bis in das 20. Jahrhundert dem Tag durch ihr Läuten einen Ablauf gegeben. In vielen Kriegen wurden die Glocken vom Kirchturm geholt und zur Herstellung von Waffen eingeschmolzen, so auch im 1. Weltkrieg. Im Jahr 1920 beschloss dann die Kirchengemeinde wenigstens eine Glocke anzuschaffen, die dann ab 1922 ihren Dienst versah, 1924 kam dann die zweite Glocke dazu.

Sie wurden nicht viel älter als 20 Jahre, im 2. Weltkrieg wurden sie wieder zu Rüstungszwecke eingeschmolzen. Bereits im Juli 1947 gab die Kirchengemeinde den Auftrag für 3 neue Glocken. Bedingt durch die Währungsreform dauerte es mit der Realisierung bis zum Frühjahr 1950. Am 18. April wurden die Glocken mit einer aufwendigen Aktion in den Kirchturm gebracht und am 23. April im Rahmen eines Festgottesdienstes geweiht.

Aber bereits 1956 zersprang eine der Glocken, die Kirchengemeinde nahm dies zum Anlass, diese gemeinsam mit der kleinen Glocke, deren Anschlag zu hart war, umgießen zu lassen.

Wie kamen nun die Glocken aus bzw. in den Kirchturm? Das Dach über dem östlichen Anbau des Turms wurde ausgebaut und die Glocke mit einem Dreibock hinaufgezogen, danach über eine Stützkonstruktion in die Turmstube gebracht und dann mit einem Flaschenzug in die Glockenstube nach oben gezogen. Der damalige 10 jährige Volksschüler Albrecht Stoll hat dies in einer Zeichnung festgehalten, die in der Glockenstube hängt.

Auf das Glockenjubiläum hat uns eine Tammer Bürgerin hingewiesen, die im Rahmen des Gottesdienstes zur Glockenweihe 1950 getauft wurde, vielen Dank.

Vielleicht steigen Sie einmal bei einer Kirchenführung, die hoffentlich bald wieder stattfinden können, mit hinauf in die Glockenstube und betrachten unsere vier Glocken aus der Nähe, der Aufstieg lohnt sich.

Gerhard Kurz