Männervesper
Jens Rommel
Referent: Jens Rommel




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Geschichte vor Gericht?

Vortrag von Herrn Jens Rommel
Dienstag, 09. April  2019

Wir müssen uns auch unserer Vergangenheit stellen und die nationalsozialistischen Verbrechen aufarbeiten. In unserer unmittelbaren Nähe, in Ludwigsburg, befindet sich die „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“, und ihr Leiter, Herr Jens Rommel, konnte uns darüber bestens Auskunft geben. Dies war zugleich eine der letzten Gelegenheiten, ihn im Rahmen des Tammer Männervespers als Leiter dieser Stelle einzuladen, denn Herr Rommel wurde bereits zum Richter am Bundesgerichtshof berufen. Herr Rommel erklärte genau die strafrechtliche Aufklärung aus dem Blick eines Staatsanwalts. Er unterschied zwischen echten Kriegsverbrechen durch deutsche bewaffnete Verbände einschließlich der Ermordung von sowjetischen Kriegsgefangenen, der Tötung aus ideologischen und rassistischen Gründen hinter der Front, der Ermordung der Juden sowie der Sinti und Roma in Konzentrationslagern und der Ermordung Behinderter in er sog. Euthanasie hier in Württemberg in Grafeneck. Herr Rommel erklärte die geschichtlichen Hintergründe zu den Nürnberger Prozessen. Er wies darauf hin, dass die Vorschriften des Reichsstrafgesetzbuches auch während des Dritten Reichs galten und damit Strafbarkeit nach diesem Gesetz immer gegeben war. Die Schwierigkeit besteht darin, dass hier die Verantwortung des Einzelnen im Vordergrund steht, es sich aber im Nationalsozialismus um staatliche angeordnete Massenverbrechen handelte, bei denen die Verantwortung des Einzelnen häufig sehr schwer festzustellen ist. Wer war Täter, wer Unterstützer, wer Randfigur?
Zu berücksichtigen ist auch der Gesichtspunkt der Verjährung, da heute der Zeitabstand zu den nationalsozialistischen Verbrechen länger als 70 Jahre beträgt und nur Mord als einziges Vergehen nicht verjährt. Zudem stellte uns Herr Rommel die Ludwigsburger Zentralstelle selbst vor, die seit 1958 besteht und 1,7 Millionen Karteikarten umfasst.
Der Abend hat uns also wertvolle Einblicke in das schwierige, aber interessante Thema der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen gegeben. Wir danken ganz herzlich Herrn Jens Rommel für den gelungenen Vortrag, Herrn Preuß für die Moderation und allen weiteren Helfern, doch auch den interessierten Teilnehmern und zugleich den MitarbeiterInnen des VfB Heims in Tamm, die uns so freundlich die Räumlichkeiten überlassen haben.
Bericht von Arno Sauer