Brot für die Welt 2011
Brot für die Welt

Immer noch infizieren sich in Afrika fast zwei Millionen Menschen pro Jahr mit HIV. Mit Unterstützung von "Brot für die Welt" stellt sich die Koptisch-Orthodoxe Kirche dem weiteren Vormarsch der Pandemie entgegen. Erste Erfolge sind sichtbar.


Schon frühmorgens gesellt sich Patrick zu seinen Trinkkumpanen. Seitdem der junge Mann erfahren hat, dass er HIV-positiv ist, hält er sein Leben nüchtern nicht mehr aus. Und jedes Mal, wenn er betrunken ist, schnappt er sich in Mama Pimas Bierpinte ein anderes Mädchen. Heute hat er ein Auge auf Pauline geworfen. Doch bevor er sich ihr nähern kann, stellt sich ihm Victorine in den Weg. "Willst du sie etwa anstecken?", herrscht sie ihn an.
Bedrücktes Schweigen. Gebannt haben rund 20 Menschen die Open-Air-Theateraufführung in Nairobis Slum Kawangware verfolgt. Doch Victorine Wambura, 29, Aidsberaterin der Koptisch-Orthodoxen Kirche, und ihre Mitarbeitenden haben nicht nur schauspielerisches Talent, sondern auch ein enorm fundiertes Wissen über die Krankheit. Und so harren die meisten Zuschauer aus, um sich im Anschluss an die Aufführung über Ansteckungsrisiken und Möglichkeiten der Vorbeugung zu informieren.
 
"Lasst euch testen", ermahnt Victorine die Zuschauer und zeigt auf ein Zelt im Hintergrund. Dort werden kostenlose Aids-Tests durchgeführt. Energisch schreitet sie über den vom Regen aufgeweichten Boden und redet über Themen wie sexuelle Gewalt in Verbindung mit HIV, sexuell übertragbare Krankheiten und Alkoholmissbrauch. Denn wo Armut und Alkoholabhängigkeit groß sind, wächst die Zahl der HIV-Infektionen – auch in den Slums von Nairobi.
 
Seit 1994 ist die Koptisch-Orthodoxe Kirche in Kenia im Kampf gegen HIV und Aids aktiv. Im "Hoffnungszentrum", einer 2004 auf dem Gelände der Bischofsresidenz in Nairobi eröffneten Klinik, wurden bereits mehr als 15.000 Menschen versorgt. Mit den Spenden von "Brot für die Welt" wird speziell die Aufklärungsarbeit finanziert. Junge Teams wie das von Victorine Wambura treten in Schulen, Kliniken, Firmen und Gefängnissen auf. Die meisten Mitarbeitenden arbeiten dabei nur in Teilzeit. Sie verdienen nicht viel mehr als ein Taschengeld. Aber ums Geld geht es ihnen nicht, sie handeln aus tiefer christlicher Überzeugung.
 
Auf die Frage, warum sie sich stark macht für Menschen mit HIV und Aids, antwortet Victorine nachdenklich: "Meine Schwester wäre noch am Leben, hätten wir damals mehr über die Krankheit gewusst." Die junge Frau starb vor sieben Jahren. Zwei Jahre später führte die Koptisch-Orthodoxe Kirche das Beratungsprogramm für die Slums von Nairobi ein. Victorine bewarb sich und bekam die Stelle. Seither nimmt die Aidsaktivistin regelmäßig an Fortbildungen teil. Irgendwann will sie ihre eigene Organisation gründen – um das Leben von noch mehr Menschen zu retten.
Mit Ihrer Spende für "Brot für die Welt" unterstützt die evangelische Kirchengemeinde im Jahr 2011 das oben genannte Projekt